Lernen durch Abenteuer

Vom 26. November bis zum 30. November findet an unserer Schule das Projekt Lernen durch Abenteuer statt. Frau Jessica Fischbach von der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises leitet diese Veranstaltung, an der Schüler und Schülerinnen der 5. und 6. Klassen jeweils in ihren Sportstunden teilnehmen werden. Wir wünschen allen teilnehmenden Schülern viel Spaß bei dieser Abwechslung vom Schulalltag. Um einen Einblick in das Projekt zu gelangen, hier nun Informationen aus dem Jahresbericht 2012.

18 Jahre „Lernen durch Abenteuer“

 

Aus der Idee, den Schulen des Westerwaldkreises eine aktive Möglichkeit zur Sucht- und Gewaltprävention anzubieten, wurde das Projekt „Lernen durch Abenteuer“ geboren. Im Jahre 1994 erarbeiteten Dipl. Psychologe Jürgen Krah der Familienberatungsstelle des Caritasverbandes Westerwald und Dipl. Sozialpädagoge Wilfried Dahlem von der Kreisverwaltung des Westerwaldes ein entsprechendes Konzept. Seit Anfang 1995 konnte eine pädagogische Fachkraft mit einer halben Planstelle „Lernen durch Abenteuer“ an den Schulen umsetzen. Aufgrund der positiven Resonanz und der steigenden Nachfrage ist die Stelle seit März 2001 auf eine Vollzeitstelle erweitert. Somit hat sich „Lernen durch Abenteuer“ an den Schulen etabliert und einen eigenständigen Platz im pädagogischen Angebot der Kreisjugendpflege erhalten.

Durch Kooperation und finanzielle Förderung von neun Verbandsgemeinden, dem Land Rheinland-Pfalz und dem Westerwaldkreis, ist es möglich das Projekt für die Schülerinnen und Schüler im Kreisgebiet kostenfrei durchzuführen.

An den bundesdeutschen Schulen werden in den letzten Jahren zunehmend Aggressivität, Disziplinlosigkeit im Schulunterricht, wachsende rechtsextreme Orientierung bei Kindern und Jugendlichen, ein allgemeiner Werteverfall und ansteigende Schulunlust beklagt. Auch weitere Formen der Gewalt, wie Erpressung und Mobbing, insbesondere im Internet sind hinzugekommen.

„Lernen durch Abenteuer“ stellt mit seiner Konzeption eine Möglichkeit dar, den genannten Erscheinungen präventiv entgegenzuwirken.

Mit der Methode der „Abenteuerpädagogik“ umfasst das Modell alle Aktivitäten, die über Natur oder Umwelt ein verhaltensänderndes, erzieherisches oder persönlichkeits-entwickelndes Ziel haben und sich dabei Erlebnissen im ganzheitlichen Sinn (Lernen mit allen Sinnen) bedient.

 Wir können nun auf mehr als anderthalb Jahrzehnte erfolgreicher Arbeit zurückblicken, in denen das Projekt seiner anfänglichen Idee treu geblieben ist und sich doch dynamisch weiterentwickelte.

 Das Modellprojekt wird an allen Schultypen durchgeführt. Das macht deutlich, dass „Lernen durch Abenteuer“ vielfältig im schulischen Bereich zum Tragen kommt. Ein Schwerpunkt der Arbeit in 2012 war bei den Grundschulen mit 74 % aller teilnehmenden Schulen, gefolgt von den weiterführenden Schulen mit 14 %. Ein sehr positiver Trend in Bezug auf die präventive Wirkung, da die Schüler bereits im Kindesalter gegen Sucht und Gewalt stark gemacht werden.

Die Notwendigkeit von „Lernen durch Abenteuer“

Unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert ist geprägt von Naturentfremdung und Erlebnisarmut.

Abenteuer werden nicht mehr selbst „erfahren“, sondern mit Hilfe von DVDs, Fernsehen und Computerspielen aus zweiter Hand konsumiert.

 

Je mehr solche Sekundärerfahrungen gemacht werden, umso weniger sind Primärerfahrungen möglich und wichtige Bereiche des sozialen Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung gehen verloren.

 

Diesem Prozess stellt Lernen durch Abenteuer ein ganzheitliches Lernkonzept entgegen, welches auf folgenden drei Gebieten wirkt:

 

  1. 1.      Selbsterfahrung

(Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Selbstachtung, Umgang mit Ängsten und Belastungen, eigene Grenzen kennen lernen, Sinnes- und Körpererfahrungen…)

 

  1. 2.      Gruppenerfahrung

(Lernen von- und miteinander, Zusammengehörigkeitsgefühl, Vertrauen und Unterstützung, Kommunikation, Kooperation, Rücksichtnahme…)

 

  1. 3.      Ökologie

(Natur erfahren, Problembewusstsein entwickeln, Zusammenhänge kennen lernen, nachhaltige und gesunde Lebensweise…)

 

Gelernt wird mit einem ganzheitlichen Ansatz (Kopf, Herz und Hand) in und von der Natur durch gemeinsame Bewältigung von Problemen und Herausforderungen.

 

Gerade der meist hohe Anteil an Emotionen bei erlebnispädagogischen Aktivitäten garantiert dabei eine Intensität des Lernprozesses, wie sie von den meisten tradierten Lernmethoden nicht erreicht werden kann.

 

Lernen durch Abenteuer kann und will aus Schülerinnen und Schülern keine neuen Menschen machen.

Lernen durch Abenteuer setzt Impulse, die früher oder später zum Tragen kommen und die weitere persönliche Entwicklung des Einzelnen mitbestimmen.

Durch den gezielten Einsatz von Reflexionsmethoden können die Kinder und Jugendlichen das zuvor Erlebte verarbeiten und sich bewusst machen. Stärken, Schwächen, Verhaltensweisen und getroffene Entscheidungen werden durch Reflexion offen gelegt, sodass ein Lernprozess in Gang gesetzt wird, der die Kinder und Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit weiterbringt. Dadurch können die Teilnehmer wachsen, was ein wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden darstellt.