Besuch im Lifehouse

RZ, 17.04.2014

lifehouse

Lifehouse ist das ganze Jahr geöffnet
Kultur Soziales Netzwerk zum Anfassen kann besichtigt werden
Von unserer Reporterin
Larissa Schütz
M Hachenburg. Das sogenannte Lifehouse in der Färberstraße 3 in Hachenburg, eine Installation von Schülern des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Westerburg, sollte ursprünglich nur während der Aktionswoche „Kunst! Vor der Haustür! im vergangenen Jahr geöffnet bleiben (die WZ berichtete). Aber Medienreferentin Michaela Weiß-Janssen war so begeistert von dem „sozialen Netzwerk zum Anfassen“, dass sie sich dafür stark gemacht hat, das Haus für Besucher offen zu halten. Das ist nun auf jeden Fall noch bis Ende 2014 der Fall – dank des Sponsorings der Kreissparkasse Westerwald und der Unterstützung der Stadt Hachenburg sowie der Hachenburger KulturZeit. „Ich selbst habe das Haus im letzten Jahr besucht und war sofort begeistert. Das ist einmalig, muss erhalten bleiben und passt ganz prima zu meiner Herzensangelegenheit – der Medienkompetenz“, so Michaela Weiß-Janssen.
Außen verraten lediglich zwei blaue Schilder mit dem Aufdruck „Lifehouse“, dass sich in dem kleinen, unscheinbaren Fachwerkhaus im Herzen Hachenburgs etwas Besonderes befindet. In Inneren erwartet den Besucher ein begehbares Facebook-Profil – ein einzigartiges Projekt, kreativ umgesetzt von einem Kunstkurs des Westerburger Gymnasiums. Facebook ist die Basis für das Konzept der Installation, die sich mit der Internetplattform als Dokumentationsmittel beschäftigt: Eine Chronik über das Leben einer Person und über die Geschichte der Stadt. Tritt man über die Schwelle der Eingangstür, taucht man sofort ein in die Welt der fiktiven Bewohnerin Eva Maria Bäcker. Ihr Leben wird im Lifehouse erzählt, der Besucher folgt den Spuren Eva Marias durch das gesamte Haus. Im Keller befinden sich ganz andere Spuren: Durch Information und Impression wird unter der Überschrift „Nichts ist je vergessen“ ein Blick auf die Rolle Hachenburgs bei der Jugendverfolgung während der NS-Zeit erinnert.
„Man kommt sich fast schon vo­yeu­ris­tisch vor, wenn man sich in dem Haus bewegt“, so Michaela Weiß-Janssen. Sie ist in Sachen Medienkompetenz an den Schulen unterwegs und weiß genau, welch hohen Stellenwert die sozialen Netzwerke in der heutigen Gesellschaft haben. Und wie wichtig Aufklärungsarbeit dieses Thema betreffend – besonders bei Kindern und Jugendlichen – ist. Das Lifehouse entdigitalisiert das soziale Netzwerk Facebook und macht es greifbar. Besucher fühlen sich plötzlich als Eindringlinge in einen privaten Bereich. Viel mehr, als wenn sie im Internet virtuelle Profile durchstöbern. „Es ist krass, was man so alles öffentlich preis gibt“, findet eine Neuntklässlerin der Graf-Heinrich-Realschule plus in Hachenburg. „Ich überlege immer erst, was ich irgendwo poste. Hier wird einem deutlich, was man alles bei Facebook zeigt“, meint eine Klassenkameradin. Bei den Schülern hat die Installation einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Ich werde auf jeden Fall etwas von diesem Besuch mit nach Hause nehmen“, sagt ein Schüler. Er und seine Kameraden sind sich einig: Das Lifehouse in Hachenburg ist eine gute Idee, super umgesetzt und sehr sehenswert. Jörg Müller, stellvertretender Schulleiter der Graf-Heinrich-Realschule plus, ist ebenfalls überzeugt vom Experiment Lifehouse: Wir als Lehrer haben den Vorteil, wenn die Schüler aufgeklärt sind, können sie nicht sagen, dass sie von nichts wussten.“
Interessierte Schulklassen und Jugendgruppen können das Lifehouse unter der Führung von Michaela Weiß-Janssen besichtigen. „Jugendgruppen können sich jederzeit für einen Termin am Nachmittag melden, Führungen für Schulklassen werden vermehrt nach den Sommerferien angeboten. Aber das Lifehouse ist auch für Erwachsene sehr sehenswert, findet Beate Macht von der Hachenurger KulturZeit. Geplant ist, dass das Haus in der Färberstraße 3 irgendwann abgerissen werden soll. Damit würde nicht nur die Arbeit der Schüler des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Westerburg zunichte gemacht, sondern auch eine einzigartige Kunstinstallation mit medienpädagogischem Inhalt. „Das Lifehouse in Hachenburg muss erhalten bleiben“, sind sich alle Beteiligten einig.